Shein, Temu & Co. – Gefahr durch Billigwaren aus China
von Andrea Pahl
Billig einkaufen, Geld sparen – dabei womöglich die Gesundheit schädigen? Diese Gefahr droht, wenn man unterwegs auf Apps wie Shein und Temu ist. Niedrige Preise, viele Rabatte und eine Riesenauswahl an Kleidung, die jedem Mode-Trend gerecht wird, sprechen insbesondere junge, internetaffine Menschen an. Eine Umfrage unter Oberstufenschülern der Maria-Goretti-Schule ergab, dass die Mehrheit der jungen Konsumenten etwas auf Shein oder Temu gekauft hat; fast drei Viertel bestellen regelmäßig über die Billigplattformen. Dieses Ergebnis spiegeln auch folgende Zahlen wider: Täglich kommen 13 Millionen Pakete in den EU-Raum. Für das Jahr 2025 verzeichnete allein der Frachtflughafen Lüttich rund 1,4 Milliarden angekommene Pakete, die meisten davon aus China.
Was sich hinter der Billigware verbirgt
Billig und rücksichtslos – so lassen sich die Geschäftsmodelle der chinesischen Billiganbieter wohl bezeichnen. Denn bei genauerem Hinsehen entpuppen sich viele der vermeintlichen Schnäppchen als potenziell gesundheitsschädigend. Im Herbst 2025 testete die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 insgesamt 20 Kleidungsstücke, die auf den Plattformen Shein und Temu angeboten wurden. Das Ergebnis: mehr als ein Drittel überschritt die gesetzlichen EU-Grenzwerte und enthielt verbotene Chemikalien. So sind zum Teil alarmierende Werte von PFAS, den sogenannten Ewigkeitschemikalien, oder Weichmachern in Kleidung festgestellt worden. Auch in Schmuck, Spielzeug, Kosmetik und Alltagsprodukten von Shein oder Temu tauchen regelmäßig erhöhte Schadstoffkonzentrationen auf.
Erhöhtes Gesundheitsrisiko
Über die Kleidung oder andere Produkte wie Nagellack oder Schmuck gelangen die giftigen Stoffe in den menschlichen Körper, wo sie sich anreichern und langfristig Schaden anrichten. Viele stehen im Verdacht, Krebs zu fördern, das Immunsystem zu schwächen, Organe wie Schilddrüse, Leber und Nieren anzugreifen und die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen. Weichmacher greifen in das Hormonsystem ein und werden mit Fehlgeburten oder Entwicklungsstörungen bei Kindern in Verbindung gebracht. Über das Abwasser gelangen diese Stoffe auch in die Umwelt. Studien haben Tausende von PFAS-belasteten Standorten in Europa identifiziert.
Shein ignoriert Kritik und Mahnungen
Immer wieder kritisiert die Umweltorganisation Greenpeace die unzulässigen Praktiken der Billiganbieter aus China. Shein weist die Kritik zurück und behauptet, hohe Sicherheitsstandards einzuhalten und mit internationalen Testern zusammenzuarbeiten. Das Unternehmen verspricht zwar, belastete Artikel aus dem Sortiment zu entfernen, die Umsetzung ist jedoch unzureichend. „Sheins Dreistigkeit ist erschütternd. Vor dem EU-Parlament verspricht der Konzern, Verbraucher:innen zu schützen – doch in Wahrheit verkauft Shein massiv belastete Produkte einfach weiter“, sagt Moritz Jäger-Roschko, Greenpeace-Experte im März 2026.
Verbraucherschutz dringend gefordert
Umweltorganisationen und Verbraucherschützer fordern strengere Kontrollen der Importe aus Asien, die konsequente Durchsetzung der EU-Chemikaliengesetzgebung sowie mehr Transparenz entlang der Lieferkette. Die Onlineanbieter müssen endlich ihre Verantwortung übernehmen und zur Einhaltung gesetzlicher Grenzen gezwungen werden. Das ist noch nicht der Fall: Vor der Masse an täglich in die EU strömenden Paketen aus Asien scheinen die Behörden bisher so gut wie machtlos zu sein.
Für viele junge Menschen ist billig gleich gut. Doch die Gefahren bei Billigwaren sind vielfältig: Nicht nur gesundheitliche Risiken lauern, Textilien sind meist von minderer Qualität, einige Geräte weisen gefährliche technische Mängel auf – und schließlich landet alles im Müll. Somit wird die Umwelt doppelt belastet: durch Giftstoffe wie Berge von weggeworfener Billigware.
Hier sind EU, Regierung, Verbraucherschutz, Bildungswesen und Elternhaus gefordert, um den Schutz und die Aufklärung junger Konsumenten zu gewährleisten.
Letztlich liegt die Verantwortung auch bei jedem Einzelnen: Wollen wir weiterhin die Augen vor den Gefahren verschließen oder entscheiden wir uns dafür, auf Billigware aus Asien zu verzichten, solange diese Firmen sich an keine Grenzwerte halten und den Schutz der Konsumenten ignorieren?
