17. März 2026
MG Sankt Vith

Warum viele Menschen im Urlaub das suchen, was sie schon kennen

Von Mara Zeimers

Warum reisen Menschen? Und vor allem: Was tun sie auf ihren Reisen? Viele Leute reisen, fahren in Urlaub, unternehmen Wochenend-Trips. Manche reisen, um ihrem Alltag, ihrer vertrauten Umgebung zu entfliehen. Andere, um ihren Horizont zu erweitern und sich zu bilden. Wiederum andere verreisen, um sich einfach zu erholen und eine ruhige und stressfreie Zeit zu genießen. Ein Essay.

Viele Menschen reisen aber auch, um im Endeffekt nichts anderes zu machen als das, was sie ohnehin schon tun, und nichts anderes zu sehen als das, was sie ohnehin schon kennen. Der durchschnittliche Massentourist wohnt dabei in All-Inclusive-Resorts und lässt sich dort vorgaukeln, die wahre Kultur des Landes, das er besucht, würde dort widergespiegelt. Er plantscht gemütlich im Pool, schlürft fruchtige Cocktails und lässt es sich im Schatten künstlicher Palmen gut gehen, während er von anderen Touristen umgeben ist, die dieser künstlichen Oase ebenfalls erlegen sind.

Das Hotel ist im mediterranen Stil gebaut, den es überall zu finden gibt, der Rasen immergrün, die Sonnenschirme geöffnet. Und egal, ob auf Mallorca oder Korsika, in Portugal oder Griechenland, diese Art von Urlaub findet sich dort überall. Wenn man Erholung sucht, ist dies der perfekte Ort. Aber wer sich einredet, so etwas über die Kultur des Landes zu erfahren und sich zu bilden, der liegt falsch. Manche sehen sich nur die bekannten Sehenswürdigkeiten an. Nehmen wir dabei London als Beispiel: Die meisten besuchen den Big Ben, das London Eye, die Tower Bridge und andere Orte der „15 Sehenswürdigkeiten, die du unbedingt in London gesehen haben musst“. Dort befinden sich keine Einheimischen, sondern nur andere Touristen, sodass alles vollgepackt ist mit Menschen, die nicht einmal aus dem Land kommen, das man gerade besucht. In der Nähe dieser Sehenswürdigkeiten, besonders am Piccadilly Circus, befinden sich dann die üblichen Verdächtigen: Fast-Food-Ketten, unendliche Einkaufsstraßen und Touristenbars, mit anderen Worten – all das, was man überall auf der Welt finden kann. Man isst Pizza, Pasta und seinen Burger mit Fritten wie zu Hause, man geht in dieselben Fast-Fashion-Läden wie zu Hause, man trifft nicht auf Einheimische, sondern nur auf Touristen. Auf solchen Reisen finden die Menschen genau das, was sie schon kennen, und deshalb gefällt vielen ein solcher Reisestil. Denn Unbekanntes macht bekanntermaßen Angst, wie Kurt Tucholsky in seinem ironischen Essay „Die Kunst, falsch zu reisen“ aus dem Jahr 1929 treffend bemerkt: „In der fremden Stadt mußt du zuerst einmal alles genauso haben wollen, wie es bei dir zu Hause ist – hat die Stadt das nicht, dann taugt sie nichts. Die Leute müssen also rechts fahren, dasselbe Telephon haben wie du, dieselbe Anordnung der Speisekarte und dieselben Retiraden“, schreibt er. Jedoch verliert das Reisen so viel von seinem Charme. Was wäre so schlimm daran, etwas Neues auszuprobieren? Mal von den üblichen Pfaden des Tourismus abzuweichen und den Reiseführer zur Seite zu legen? Beim Reisen geht es doch im Grunde genau darum, die Kultur der dort ansässigen Menschen kennenzulernen, mal etwas anderes zu sehen und auszuprobieren, oder nicht? Sollte man nicht ein kleines Zimmer in einem kleinen Hotel buchen, weil man sowieso den ganzen Tag unterwegs ist?

Abseits der üblichen Pfade

Wäre es nicht interessant, mal einen Briten zu fragen, wo er am liebsten seinen Afternoon Tea mit Scones genießt, wo es die besten Fish & Chips zu essen gibt und in welcher Bar er gemütlich sein Pint trinkt, während er Fußball schaut? Oder wo seiner Meinung nach die beste Aussicht auf die Themse ist? Ob der Hyde Park die schönste und ruhigste grüne Oase der Stadt ist oder ob es einen anderen, weniger überlaufenen Ort gibt? Und wenn man sich einfach ein Fahrrad leiht und einfach mal so drauf losfährt, durch die leeren und kleinen Gassen und Straßen, ein kleines Café oder ein Restaurant entdeckt, das traditionelle Küche betreibt, ein Theaterstück von Shakespeare in seiner originalen Sprache besucht? Menschen, die so reisen, so ihren Urlaub verbringen, haben eine völlig andere Sicht auf ihren Urlaubsort als der einfältige Tourist, der nur das tut, was er erwartet hat.

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