27. März 2026
RSI Eupen

Immer mehr Menschen allein: Einsamkeit wird auch in Ostbelgien zum Problem

Maria Lübbert, die ehrenamtlich im Begegnungszentrum „Mittendrin“ in Eupen tätig ist, erlebt oft, wie stark die Einsamkeit sich ausbreitet und Menschen belastet. Sie berichtet, wie schwer es für die meisten Menschen ist, den ersten Schritt zu wagen und sich Hilfe zu holen.

Von Daleen Kurabi

Aktuelle belgische Daten bestätigen diesen Eindruck: 6,7 % der Bevölkerung fühlen sich dauerhaft einsam. Auch in Ostbelgien wächst das Bewusstsein für Einsamkeit als soziales Problem. Die Plattform „Ostbelgien Statistik“ der Deutschsprachigen Gemeinschaft liefert aktuelle Zahlen: Ostbelgien zählt rund 80.000 Einwohner (Stand 2025). Sie weisen die höchste Lebenszufriedenheit in ganz Belgien auf. Gleichzeitig leben jedoch rund 13.000 Menschen allein und stellen eine bedeutende Risikogruppe für Einsamkeit dar.

Belgische Daten deuten darauf hin, dass Alleinstehende sich am häufigsten einsam fühlen, mit 11,3 %. Bei Paaren und Familien sind es deutlich weniger, mit 4,5 bis 9,6 %. Ebenfalls gefährdet sind – neben Alleinstehenden – Menschen mit finanziellen Problemen und verarmte Menschen. Entgegen der landläufigen Meinung betrifft die Einsamkeit nicht nur ältere Menschen, sondern auch jüngere, wenn Arbeit, Gesundheit oder soziale Beziehungen instabil sind. Zudem sind Personen, die in ländlichen Gebieten mit weniger Treffpunkten oder weniger Mobilitätsdienstleistungen leben, gefährdet.

Wie der Sender Euronews berichtet, kann Einsamkeit auch Folgen für die Gesundheit haben, denn Einsamkeit erhöht das Risiko für Depressionen, Diabetes und Demenz. „Je länger man zu Hause sitzt, desto schlimmer wird es“, erklärt Maria Lübbert und fügt hinzu, dass es schwer sei, sich wieder zu integrieren, wenn man es nicht mehr gewohnt ist, in Gesellschaft zu sein.

In Belgien wird seit einigen Jahren etwas gegen Einsamkeit unternommen, beispielsweise überwacht das Statistikportal Statbel seit 2021 regelmäßig das Einsamkeitsgefühl der Bevölkerung. Außerdem vermindert die Sozialpolitik Armut und soziale Ausgrenzung, was die Einsamkeit indirekt senken kann.

Die Deutschsprachige Gemeinschaft unterstützt die Gesundheitsförderung und Prävention, was ebenfalls die Einsamkeit bekämpft.

Viele Gemeinden in Ostbelgien fördern auch die Seniorenbegegnungszentren oder die Vereinskultur, wodurch ein wichtiges soziales Umfeld geschaffen wird. In Eupen gibt es verschiedene Organisationen, die Seniorentreffen veranstalten, wie zum Beispiel „Mittendrin“. Die ehrenamtliche Mitarbeiterin Maria Lübbert berichtet: „Aktivitäten kann man viele anbieten, aber die Angebote müssen wahrgenommen werden. Man muss die Leute wirklich aus ihrem Zuhause rausziehen.“

Da Einsamkeit schlimme Folgen für das Wohlbefinden und die Gesundheit haben kann, sind die Maßnahmen der Gemeinden und der Organisationen umso wichtiger. Doch auch von politischer Seite muss die Initiative ergriffen werden, denn trotz hoher Lebenszufriedenheit in Belgien bleibt Einsamkeit eine stille Herausforderung.

„Es wäre schön, wenn die Kinder mal ihre Eltern an die Hand nehmen und sagen würden: Komm, wir gehen heute Nachmittag mal gucken. Dann ist der erste Schritt gemacht“, sagt Maria Lübbert. Zuletzt betont sie: „Wir versuchen unser Bestes hier, es wäre super, wenn viel mehr neue Kunden kämen. Bei uns ist jeder herzlich willkommen!“

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