27. März 2026
RSI Eupen

Tastatur oder Kugelschreiber: Wie nachhaltig ist das digitale Klassenzimmer?

Untersuchungen zeigen, dass allein die Haptik und der Geruch von einem gedruckten Buch einen erheblichen Einfluss darauf haben, wie der Inhalt auf den Leser wirkt. Wissenschaftlich wird dies u.a. durch die bekannte Stavanger-Studie von Anne Mangen (2013) gestützt. Die Forschung zeigt, dass das Gehirn beim Lesen eines Buches eine sogenannte „mentale Landkarte“ erstellt: Durch das Gewicht, die Textur der Seiten und die räumliche Position eines Textabschnitts werden sensorische Ankerpunkte gesetzt, die das Leseverständnis und die Erinnerungsleistung im Vergleich zu digitalen Texten deutlich verbessern.

Von Max-Frederik Mees

Doch auch der digitale Unterricht birgt Vorteile. So ist auf einem Blatt Papier oder einem Block nicht so viel Platz vorhanden, wie in einem Computerprogramm. Des Weiteren lassen sich Schreibfehler auf einem Blatt Papier nicht so leicht wieder auslöschen, wie auf einem Laptop, wo man die letzte Eingabe rückgängig machen kann.

Auch in puncto Umweltbilanz kann man kein klares Fazit ziehen. Da der analoge Unterricht viele Rohstoffe wie Wasser und Holz für das Herstellen von Unterrichtsblättern verlangt, ist er sehr energieaufwändig. Für die Herstellung der für den digitalen Unterricht benötigten Lehrmittel (Laptops, Tablets usw.) sind dagegen seltene Erden von Nöten. Doch nicht nur die Herstellung dieser Endgeräte schadet der Umwelt, sondern auch ihre Nutzung. Die eingebauten Akkus und Batterien verschleißen mit jeder Nutzung und verlieren an Leistung. Das Verwenden von Clouds ist – nach der Herstellung – der wohl energieaufwendigste Aspekt des digitalen Unterrichts. Clouds sind riesige Rechenzentren, die gigantische Mengen an Ressourcen verbrauchen. Allein in Belgien machen Rechenzentren schätzungsweise bereits 3 bis 5 % des gesamten nationalen Stromverbrauchs aus. Das große Google-Rechenzentrum in St. Ghislain verbraucht etwa so viel Energie wie mehrere zehntausend Haushalte gleichzeitig. Um die Server dauerhaft auf maximaler Rechenleistung zu halten, müssen sie gekühlt werden. Dies führt zu einem enormen Wasserverbrauch. Pro Kilowattstunde Strom werden im Schnitt 0,5 bis 1,7 Liter Wasser zur Kühlung benötigt.

Während der Lerneffekt beim analogen Unterricht klarer ausgeprägt ist, kann man bei den Auswirkungen auf die Umwelt schwieriger einen Gewinner festlegen. Wenn die für den Unterricht bedruckten Blätter recycelt sind, ist der analoge Unterricht aber in vielen Fällen sogar umweltfreundlicher als digitale Unterrichtsmaterialien.

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