27. März 2026
BS-TI Sankt Vith

Medien: Booktok vermittelt ein fragwürdiges Beziehungsbild

„Die Jugend hängt nur noch am Handy und liest keine Bücher mehr.“ Diesen Satz haben die meisten Jugendlichen bestimmt schon einmal gehört. Doch ausgerechnet das Handy sorgt derzeit dafür, dass viele junge Menschen wieder anfangen zu lesen. Dank des Hashtags BookTok entdecken Millionen von ihnen die Freude an Büchern neu.

Lesen fördert die kognitive Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Es trägt zur Sprachentwicklung bei, stärkt das Gedächtnis und verbessert die Konzentrationsfähigkeit. Außerdem kann Lesen dabei helfen, Stress abzubauen. Dass durch BookTok so viele junge Menschen wieder zum Buch greifen, wirkt daher auf den ersten Blick sehr positiv. Viele Jugendliche entdecken durch kurze Videos auf Plattformen wie TikTok überhaupt erst wieder ihre Begeisterung für Bücher. „Als der Trend BookTok im Jahr 2020 so richtig durchstartete, konnte auch ich mich wieder fürs Lesen begeistern“, erzählt Sophia Peters, eine Schülerin der BSTI.

Auf der Plattform werden Bücher empfohlen, bewertet und oft sehr emotional vorgestellt. Dadurch wirken sie für viele junge Menschen plötzlich wieder interessant. Doch wo liegt dann das Problem?

Auf TikTok gibt es mittlerweile über 50 Millionen Beiträge zum Hashtag BookTok. Rund 72 Prozent der Befragten gaben an, bereits mit dem Hashtag in Kontakt gekommen zu sein. Besonders beliebt sind dort die Genres „Young Adult“, „Romantasy“ und „Dark Romance“.

Gerade das Genre „Dark Romance“ gerät jedoch immer wieder in die Kritik. Die Geschichten enthalten häufig Inhalte, die für Jugendliche nicht geeignet sind. Oft geht es um toxische Beziehungen, Stalking oder sexualisierte Gewalt. Kritiker bemängeln, dass solche Verhaltensmuster in manchen Büchern romantisiert und als „spicy“ oder besonders leidenschaftlich dargestellt werden. Problematisch wird es vor allem dann, wenn solche Inhalte ohne Einordnung oder Warnhinweise verbreitet werden und junge Leserinnen und Leser nicht erkennen, dass es sich um problematische Darstellungen handelt.

Besonders eine Autorin steht dabei immer wieder in der Kritik: Colleen Hoover. Obwohl sie wahrscheinlich stärker als jede andere Autorin vom BookTok-Trend profitiert hat, werden ihre Bücher zunehmend kritisch diskutiert. Laut einer Umfrage haben bereits 46 Prozent der Befragten ein Buch von ihr gelesen. Kritiker werfen ihr vor, dass in ihren Geschichten Gewalt und Missbrauch teilweise verharmlost werden und ein sehr traditionelles Frauenbild vermittelt wird. Ein wiederkehrendes Motiv ist dabei die sogenannte „Jungfrau in Nöten“, die von einem männlichen Retter abhängig ist. Auch Sophia Peters berichtet: „Ich habe selbst mehrere Bücher von Colleen Hoover gelesen. Dabei ist mir aufgefallen, dass Missbrauch in Beziehungen teilweise romantisiert oder normalisiert wird.“ Besonders deutlich werde das ihrer Meinung nach in dem Bestseller „It Ends with Us“.

Das Problem dabei ist, dass Jugendliche mit Büchern in Kontakt kommen können, deren Inhalte für ihr Alter unangemessen sind. Gerade in der Pubertät sind viele junge Menschen besonders beeinflussbar und nehmen Inhalte stark auf. Dadurch können Bücher auch das eigene Weltbild prägen. Viele Geschichten haben die Eigenschaft, dass Leserinnen und Leser sich mit den Figuren identifizieren und Teil der Handlung sein möchten. Genau hier kann das Genre „Dark Romance“ problematisch werden. Wenn toxische Beziehungen romantisiert werden, besteht die Gefahr, dass ungesunde Verhaltensweisen in Beziehungen als normal oder sogar romantisch wahrgenommen werden.

Gleichzeitig können Bücher, die schwierige Themen behandeln, für Betroffene von Gewalt oder Missbrauch auch hilfreich sein. Sie können dabei helfen, Erfahrungen zu verarbeiten und sich verstanden zu fühlen. Entscheidend ist jedoch, wie diese Themen dargestellt werden.

BookTok ist also weit mehr als nur ein weiterer Hashtag im Internet. Einerseits hat der Trend Millionen junger Menschen dazu gebracht, wieder zum Buch zu greifen. Andererseits birgt er auch Risiken, über die viele Jugendliche kaum nachdenken. Sexuelle Gewalt oder Missbrauch sind Themen, die keinesfalls verherrlicht oder normalisiert werden sollten.

Amélie Kreitz – Bild: privat

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