27. März 2026
BS-TI Sankt Vith

Unsere Zugvögel beeinflusst durch Klimawandel

In den letzten Wochen lässt sich in Ostbelgien beobachten, dass viele Zugvögel früher aus dem Süden zurückkehren. Besonders auffällig wird dies, wenn große Schwärme am Himmel erscheinen und zeitweise ganze Bereiche bedecken.

Derzeit lassen sich sowohl Vogelarten beobachten, die bereits im Winter hier waren, als auch Arten, die im nahen oder fernen Süden überwintert haben und nun auf ihrem Weg nach Norden unsere Gegend überfliegen. Auch erste Zugvögel treffen bereits ein, etwa der Rotmilan oder der seltene Schwarzstorch, der aus dem rund 6.000 Kilometer entfernten Afrika zurückkehrt. An Gewässern lassen sich außerdem Haubentaucher und Gänsesäger beobachten.

Rotmilan

Auffällig sei zudem, dass heute einige Vogelarten in Jahreszeiten zu sehen seien, in denen sie vor 30 oder 40 Jahren kaum beobachtet wurde, so Gehard Reuter von AVES-Ostkantone: „Besonders bemerkenswert ist dabei der schneeweiße Reiher, der inzwischen auch im September manchmal gesichtet wird.“

Anfang April treffen gewöhnlich die ersten Rauchschwalben ein, kurz darauf folgen die Mehlschwalben. Gerhard Reuter schlägt vor: „Wer diese Arten näher kennenlernen möchte, kann an den fast wöchentlichen Exkursionen im Frühjahr teilnehmen, die von der AVES-Ostkantone organisiert werden.“

Wie Vögel jedoch wissen, wann sie ihre Reise antreten müssen, bleibt ein faszinierendes Phänomen. Einerseits orientieren sie sich an Veränderungen wie Sonnenstand, Temperatur, Tageslänge oder Veränderungen ihres Lebensraums. Diese Faktoren allein reichen jedoch nicht aus. Der eigentliche Impuls zum Aufbruch ist genetisch verankert. Dies konnte der Ornithologe Peter Berthold anhand von Untersuchungen an Mönchsgrasmücken nachweisen.

Diese besitzen jedoch mittlerweile ein untypisches Zugverhalten. Die Mönchsgrasmücken galten lange Zeit als typische Mittelstreckenzieher, aber jetzt sparen sich diese Tiere immer mehr die Reise und bleiben in Mitteleuropa.

Mönchsgrasmücke

Der Klimawandel bereitet manchen Vogelarten auch Probleme. „Einige Arten sind auch in Ostbelgien bedroht, beispielsweise der Kuckuck“, berichtet Gerhard Reuter. Er hält sich nur kurze Zeit in Europa auf, da er den Großteil des Jahres in Afrika verbringt. Ein Problem besteht darin, dass er seine Eier in fremde Nester legt. Durch frühere Brutzeiten der Wirtsvögel kommt der Kuckuck jedoch oft zu spät, sodass weniger Jungvögel aufwachsen.

Ein weiteres Beispiel ist das Birkenhuhn. Mildere und feuchtere Winter erschweren das Überleben der Jungvögel, da diese Art an kalte, schneereiche Winter angepasst ist.

Um bedrohte Arten zu schützen, ist vor allem der Erhalt geeigneter Lebensräume entscheidend. Laut Gerhard Reuter müssen diese ausreichend artspezifische Nahrung, Versteckmöglichkeiten vor Feinden sowie geeignete Brutplätze bieten. „Zudem sollten Lebensräume miteinander vernetzt sein, damit ein Austausch zwischen Populationen möglich bleibt“, sagt Reuter.

„Die Gefahren während ihrer Reise sind jedoch auch sehr vielfältig“, erzählt Gerhard Reuter. Neben natürlichen Feinden zählen auch Nahrungsmangel und Erschöpfung dazu. Hinzu kommen vom Menschen verursachte Risiken wie Windkraftanlagen, Hoch- und Mittelspannungsleitungen sowie der Straßen-, Zug- und Flugverkehr.

Junger Schwarzstorch kurz vor Aufbruch seiner Reise nach Afrika

Gerhard Reuter erklärt, er sei von einem Schwarzstorch besonders fasziniert, der am 13. Juni 2024 bei Sankt Vith im Rahmen eines Life-Projekts beringt und mit einem GPS-Sender ausgestattet wurde. Seitdem hat er eine beeindruckende Reise hinter sich. Er flog über Frankreich und Spanien bis nach Burkina Faso. Im Frühjahr 2025 folgte seine Rückkehr nach Europa, zwischendurch hielt er sich kurz in Sankt Vith auf, dann flog er weiter bis nach Wilhelmshaven und zog anschließend erneut nach Frankreich.

Den Winter verbrachte er wieder in Burkina Faso. Vor drei Wochen trat er dort den Rückflug an und befindet sich derzeit über Spanien auf dem Weg nach Mitteleuropa. „Ob er 2026 nach Sankt Vith zurückkehrt und dort einen Partner findet, bleibt abzuwarten“, erläutert Gerhard Reuter.

Vanessa Reuter – Bilder: Gerhard Reuter/AVES-Ostkantone

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