US-Politik: Ostbelgier Kerstin Heinen und Jonas Niessen über die politische Stimmung vor den Midterms
Kerstin Heinen lebt mit ihrem Ehemann Jonas Niessen in Little Rock, wo er Projektleiter für ein ostbelgisches Unternehmen ist. Die im November anstehenden Midterm Elections entscheiden darüber, wie viel Einfluss der Präsident in den kommenden Jahren haben wird und welche politischen Kräfte das Land prägen werden.
Für viele Menschen in Europa – auch in Belgien – sind diese Wahlen ein wichtiger Hinweis darauf, wohin sich die amerikanische Politik bewegt. Um besser zu verstehen, wie sich die politische Stimmung in den USA anfühlt, erzählt Kerstin Heinen uns, wie sie die Vorwahlzeit bis jetzt dort erlebt.
Haben Sie das Gefühl, dass Menschen in den USA versuchen, Sie politisch zu beeinflussen oder in eine bestimmte Richtung zu drängen?
Nein, gar nicht. Wenn wir über das Thema Politik sprechen, hören sich die Amerikaner auch gerne unsere Ansicht der Dinge an. Sie interessieren sich eher dafür, wie wir die Politik sehen, und welche Unterschiede es zu unserer belgischen Politik gibt.
Haben Sie im Alltag schon Situationen erlebt, in denen politische Meinungen zu Konflikten geführt haben?
Nein. Offene Diskussionen sind gang und gäbe, Konflikte sind dadurch jedoch nicht entstanden.
Wie offen spricht man in Ihrem Umfeld über Politik? Ist es eher ein normales Gesprächsthema oder vermeiden die Menschen politische Diskussionen?
Die Politik ist hier kein Tabuthema. Jeder spricht offen darüber und äußert seine Meinung. Wir leben in Little Rock, Arkansas, einem definitiv „roten“ Staat. Die Menschen in ganz Amerika haben ihre klare Meinung zur Politik. Spricht man sie darauf an, reden alle offen darüber. Natürlich kommt es in manchen Angelegenheiten zu Meinungsverschiedenheiten, jedoch nicht zu großen Diskussionen, die zu Ärger führen würden. Es ist eher selten, dass man uns auf das Thema Politik anspricht. Jedoch stehen wir offen zu dem Thema.
Welche Unterschiede im Alltag – zum Beispiel im Umgang mit Politik, Medien oder Menschen – bemerken Sie im Vergleich zu Belgien?
Jeder steht offen hinter seiner politischen Orientierung. Fragt man jemanden, ob er Republikaner oder Demokrat ist, wird man immer eine ehrliche Antwort bekommen. Manche zeigen es auch offen mit Stickern auf Autos oder der klassischen Maga-Kappe. Trump ist im Vergleich zu unserer Politik definitiv mehr auf den Social-Media-Kanälen aktiv. Viele empfinden das als wichtig, da sie sofort vom Präsidenten selbst über News informiert werden. Außerdem ist hier jeder Bürger sehr patriotisch. Die Amerikaner sind stolz auf ihr Land und stehen auch hinter den Entscheidungen des Präsidenten. Viele sehen diese Entscheidungen als Wiedergutmachung für den Zweiten Weltkrieg und ihre Präsenz in vielen Ländern. Erzählt man ihnen, dass in der Eifel zahlreiche Denkmäler für die Amerikaner stehen, nehmen sie dies mit sehr großer Dankbarkeit an und wissen, dass man ihre Hilfe in den 40er-Jahren sehr zu schätzen weiß.
Haben Sie den Eindruck, dass politische Themen in den USA den Alltag stärker beeinflussen als in Belgien?
Nein. Genau wie in Belgien wird sich regelmäßig über Entscheidungen aufgeregt oder sie werden als gut empfunden. Dort erkennen wir kaum Unterschiede.
Wie fühlt es sich an, in einem anderen politischen System zu leben?
Anderes Land, andere Sitten. Man kennt nicht jedes Gesetz und weiß nicht immer, wie man auf manche Dinge reagieren soll. Jedoch fühlen wir uns nicht unsicher. Es macht nicht viel Unterschied.
Wie erleben Sie die Stimmung in den USA einige Monate vor den Midterm-Elections?
Hier in Little Rock haben wir bisher noch nicht viel von den Midterms mitbekommen. Hin und wieder steht ein Schild am Straßenrand mit Werbung für einen Sheriff oder Juristen, das war es. Da die Midterms erst im November anstehen, wird dies vielleicht noch kommen.
Inwiefern wirken sich politische Entscheidungen in den USA direkt auf Ihr persönliches Leben aus?
Im Grunde nicht. Natürlich merken auch wir die Nachwehen mancher Entscheidungen. Zum Beispiel ist der Sprit teurer geworden und auch die Lebensmittel. Bisher können wir jedoch nicht sagen, dass sich irgendeine Entscheidung negativ auf unser Leben ausgewirkt hat. Keiner weiß, was als Nächstes passieren wird. Ob wir nun auf einen weiteren Schritt in den USA oder in Belgien warten, macht keinen Unterschied.
Elisabeth Schröder – Bild: privat
