27. März 2026
KA Eupen

Farbe oder Verschmutzung? Wie die Stadt Eupen mit Graffiti umgeht

Graffiti spaltet die Meinungen: Während die einen darin eine kreative Ausdrucksform sehen, empfinden andere sie als reine Sachbeschädigung. Doch wie stellt sich die Situation konkret in Eupen dar? Ein Gespräch mit Christian Collard vom Bauhof der Stadt gibt Einblicke in den Umgang mit Graffiti, die entstehenden Kosten und mögliche Lösungsansätze.

Christian Collard arbeitet seit 2004 beim Bauhof der Stadt Eupen und ist dort unter anderem für die Instandhaltung und Pflege öffentlicher Flächen zuständig. Die Aufgaben seines Teams sind vielfältig: „Wir sind für sämtliche Arbeiten im Stadtgebiet zuständig – ob an Gebäuden, Straßen oder in der Reinigung“, erklärt er. Dazu gehören unter anderem das Mähen von Grünflächen, das Schneiden von Hecken sowie die Beseitigung von Verschmutzungen aller Art – darunter auch Graffiti.

Mit diesen hat der Bauhof regelmäßig zu tun. „Es gibt Jahre, in denen es mehr vorkommt, und andere, in denen es weniger ist. Das schwankt“, so Collard. Besonders betroffen seien aktuell Bereiche rund um das Kehrweg-Stadion sowie die Strecke in Richtung Innenstadt, etwa zum Werthplatz und Kaperberg. Häufig handle es sich dabei um sogenannte „Tags“, also einfache Schriftzüge oder Zeichen. „Das sind meist nur Zeichen ohne künstlerischen Wert“, sagt Collard.

Die Entfernung solcher Graffiti ist aufwendig und kostenintensiv. Je nach Untergrund gestaltet sich die Reinigung unterschiedlich schwierig. „Wenn die Farbe in poröse Oberflächen eindringt, ist sie oft schwer oder gar nicht vollständig zu entfernen“, erklärt Collard. Auch Straßenschilder stellen ein Problem dar: „Beim Entfernen kann die reflektierende Schicht beschädigt werden, sodass das gesamte Schild ersetzt werden muss.“ Neben öffentlichem Eigentum sei zudem häufig auch Privateigentum betroffen.

Die Kosten für die Stadt halten sich dabei zwar in Grenzen, sind jedoch nicht zu unterschätzen. „Im Schnitt liegen die Personalkosten bei etwa 2000 Euro pro Jahr“, berichtet Collard. Die Materialkosten ließen sich hingegen schwer beziffern, da sie stark variieren.

In der öffentlichen Debatte wird Graffiti oft zwischen Kunst und Vandalismus eingeordnet. Auch Collard sieht hier Unterschiede: „Es gibt durchaus Leute, die wirklich kunstvolle Arbeiten machen“ Gleichzeitig kritisiert er jedoch die weit verbreiteten Tags: „Es geht nur darum, seine ‚Marke‘ zu hinterlassen.“ Eine legale Fläche für Graffiti gibt es in Eupen dennoch: Im Tunnel an der Promenade können sich Künstler frei entfalten.

Neben klassischen Graffiti beobachtet der Bauhof eine neue Entwicklung: „Besonders Sticker werden immer häufiger“, sagt Collard. Diese würden oft auf Straßenschilder geklebt und teilweise so stark überlagert, dass sie kaum noch lesbar seien. „Das ist ein neues Phänomen, das nicht besser als die Graffiti ist.“

Lösungsansätze gibt es zwar, doch sie sind begrenzt wirksam. Spezielle Beschichtungen könnten verhindern, dass Farbe dauerhaft haftet, seien jedoch teuer und kein vollständiger Schutz. In der Vergangenheit zeigte vor allem konsequentes Vorgehen Wirkung: Nachdem zwei Gruppen wegen massiver Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe von rund 20.000 Euro verurteilt wurden, habe sich die Lage vorübergehend beruhigt.

Für die Zukunft hat Collard einen klaren Wunsch: „Ich würde mir wünschen, dass mehr Respekt gegenüber fremdem Eigentum besteht – egal ob öffentlich oder privat.“ Gerade wenn neu gebaute Häuser oder Garagen beschmiert würden, sei das für die Betroffenen besonders ärgerlich. „Unabhängig davon, ob man es schön findet oder nicht – so etwas macht man einfach nicht.“

Der Umgang mit Graffiti bleibt somit ein Balanceakt zwischen künstlerischer Freiheit und dem Schutz von Eigentum, auch in Eupen.

Mio Kelleter

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