Endarbeit ade am KAE: Ab nächstes Jahr geht’s für die Abiturienten ins Praktikum
Am Königlichen Athenäum Eupen (KAE) steht für die zukünftigen Abiturientinnen und Abiturienten eine große Veränderung an: Die bisherige Endarbeit wird abgeschafft. Statt monatelang an einer wissenschaftlichen Arbeit zu schreiben, sollen die Schülerinnen und Schüler künftig ein einwöchiges Praktikum absolvieren und anschließend einen Bericht darüber schreiben.
Die Endarbeit war schon seit eh und je ein wichtiger Bestandteil des Abschlussjahres. Die Jugendlichen suchten sich ein Thema aus, recherchierten fieberhaft in zahlreichen Quellen und verfassten auf Basis dieser Quellen eine umfangreiche wissenschaftliche Arbeit. Nun hat sich das KAE dazu entschieden, dies zu ändern und stärker auf praktische Erfahrung zu setzen.
Diese Entscheidung führt bei den Schülerinnen und Schülern zu unterschiedlichen Meinungen. Während einige diese Veränderung positiv auffassen, sehen andere auch Vorteile in der bisherigen Endarbeit.
Jannis Jacob beispielsweise, ein Schüler aus dem 5. Jahr am KAE, findet die Endarbeit grundsätzlich nützlich, sieht jedoch auch neue Herausforderungen wegen des Gebrauchs von künstlichen Intelligenzen. „Eigentlich ist die Endarbeit sinnvoll“, erklärt er, „aber durch künstliche Intelligenzen wie ChatGPT kann man sich auch vieles erstellen lassen. Dann macht das Ganze irgendwie weniger Sinn.“
Er sagt aber auch, dass die Endarbeit eine wichtige Vorbereitung auf ein mögliches Studium sei. Man lerne dabei, richtig zu recherchieren, Ergebnisse auszuwerten und sie am Ende zu präsentieren. Solch eine Vorgehensweise brauche man später auch bei anderen wissenschaftlichen Arbeiten, zum Beispiel bei einer Bachelorarbeit.
Auch Léonore Becker, ebenfalls eine Schülerin, die nächstes Jahr ihr Abitur macht, wurde zum Thema befragt. Für sie spielt vor allem die Organisation eine entscheidende Rolle: „Ich denke, dass die Endarbeit zum Beispiel beim Zeiteinteilen helfen kann. Dann weiß man wenigstens schon ein bisschen, wie so etwas funktioniert, bevor man später im Studium größere Arbeiten schreiben muss.“
Sie meint außerdem, dass Schülerinnen und Schüler dabei lernten, selbstständig zu arbeiten und sich intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen. Gleichzeitig findet sie die Idee eines Praktikums ebenfalls sinnvoll: „Ich finde Praktika in der Schulzeit sehr hilfreich, weil man sich dadurch vielleicht schon besser orientieren kann, was man später machen möchte. Außerdem muss man in vielen Studiengängen auch Praktikumsberichte schreiben.“
Auch Jannis Jacob sieht im Praktikum Vorteile, da man dort praktische Erfahrungen sammeln könne und einen realistischen Einblick in die Arbeitswelt erhalte.
Um die Hintergründe der Entscheidung besser zu verstehen, wurde der KAE-Schuldirektor Christoph Willem interviewt. Er betonte noch einmal, dass die Facharbeit im kommenden Schuljahr nicht komplett abgeschafft, sondern durch „eine Praktikumswoche mit begleitender schriftlicher Arbeit“ ersetzt werde. Dieses neue Konzept solle weiterhin „selbstständiges und wissenschaftliches Arbeiten fördern“, gleichzeitig aber auch „schulisches Lernen stärker mit praktischen Erfahrungen verbinden.“
Die Schülerinnen und Schüler erhielten dabei die Möglichkeit, einen Betrieb oder eine Institution kennenzulernen und Einblicke in den Arbeitsalltag zu gewinnen. Die dabei gesammelten Erfahrungen müssten anschließend in einer schriftlichen Arbeit reflektiert werden. Ziel sei es, laut Willem, den Jugendlichen „eine bessere Orientierung für ihre Berufs- und Studienwahl“ zu bieten und wichtige Kompetenzen wie Selbstständigkeit und Verantwortungsbewusstsein zu stärken.
Insgesamt zeigt sich jedoch, dass viele Schülerinnen und Schüler sowohl die wissenschaftlichen Fähigkeiten einer Endarbeit als auch die praktischen Erfahrungen eines Praktikums als wichtig ansehen.
Die Diskussion macht deutlich, dass beide Modelle ihre Vorteile haben. Während die Endarbeit vor allem wissenschaftliches Arbeiten fördert und auf ein Studium vorbereitet, bietet das Praktikum konkrete Einblicke in die Berufswelt. Was am Ende wirklich besser ist, wird sich vermutlich erst in den kommenden Jahren zeigen.
Sophie Hamacher
