Woher kommt unser Strom von morgen?
Der Klimawandel ist eines der größten globalen Probleme unserer Zeit und macht auch vor Ostbelgien keinen Halt. Deshalb hat sich die Regierung der Deutschsprachige Gemeinschaft bereits 2017 dazu entschieden, bis 2030 die CO2-Emissionen um 55 Prozent zu reduzieren und die erneuerbaren Energien auszubauen. Doch welche erneuerbaren Energien eignen sich besonders gut für unsere Region und sollten daher in Zukunft stärker ausgebaut werden?
Windkraft – der Riese aus der Eifel: Aufgrund der Grenzlage im Osten und der erhöhten Topografie verfügt die DG über sehr gute und günstige Windbedingungen. Die offene Landschaft erlaubt konstante und ausreichende Windgeschwindigkeiten, die eine effiziente Stromproduktion ermöglichen. Besonders die höher gelegene Eifel im Süden der DG mit ihren weiten Plateaus und geringerer Bevölkerungsdichte hat viele Windkraftstandorte. Windparks wie die Roderhöhe in Elsenborn zeigen bereits heute, was möglich ist. Aus diesem Grund wurden kürzlich 15 weitere Standorte identifiziert, die einen Ausbau von Windkraft erlauben.
Sonnenenergie – Photovoltaik auf jedem Dach: Auch wenn Ostbelgien keine Wüste mit intensiven Sonnenstrahlungen ist, bleibt die Solarenergie ein wichtiger Pfeiler. Moderne Photovoltaik-Anlagen (PV) sind inzwischen so effizient, dass sie auch bei wenig Licht, beispielsweise an bewölkten Tagen, Strom produzieren. In unserer Region liegt das Potenzial vor allem auf den Dächern von Privat- und Industriegebäuden. Der Norden der DG bietet aufgrund der dicht bebauten Wohn- und großen Industrieflächen gute Möglichkeiten für den Ausbau von Photovoltaikanlagen. Belgienweit erreichten Wind und Sonne im Jahr 2023 einen Rekordanteil von 28,2 Prozent am Strommix.
Biogas – Energie aus dem Stall: Ostbelgien ist stark landwirtschaftlich geprägt. Was früher „nur“ Abfall war, wird heute zur wertvollen Ressource: Gülle und organische Reststoffe können in Biogasanlagen in Gas und weiter zu Energie umgewandelt werden. Der entscheidende Vorteil von Biogas gegenüber Wind- und Sonnenenergie ist die Unabhängigkeit vom Wetter, welches in Ostbelgien sehr wechselhaft ist. Während erzeugter Strom oft direkt verbraucht werden muss oder nur teuer in Batterien gespeichert werden kann, lässt sich Biogas problemlos in Tanks zwischenspeichern. So kann es jederzeit zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt werden, auch wenn die Sonne nicht scheint oder kein Wind weht.
Geothermie – Wärme aus der Tiefe: Die Erdwärme (Geothermie) wird in Ostbelgien vor allem in Form von oberflächennaher Geothermie genutzt. Mittels Wärmepumpen wird die im Boden gespeicherte Energie zum Heizen von Gebäuden verwendet. Da der Boden ab einer gewissen Tiefe das ganze Jahr über eine konstante Temperatur hält, ist dies eine der effizientesten Methoden, um weg von fossilen Brennstoffen wie Heizöl zu kommen, während das Landschaftsbild erhalten bleibt.
Wasserkraft – die Kraft der Flüsse: Ostbelgien ist wassertechnisch gut aufgestellt, denn die geografischen Gegebenheiten im Hohen Venn und den Ardennen sowie mehrere Wasserquellen, darunter die Flüsse Weser, Göhl und Warche, und zwei große Talsperren begünstigen dies. Die Talsperren werden jedoch hauptsächlich für das Wassermanagement bzw. die Trink- und Brauchwasserversorgung genutzt. Heute ist das Potenzial für große neue Kraftwerke aufgrund von Naturschutzauflagen (wie dem Fischschutz) begrenzt. Dennoch leisten bestehende Anlagen und die Modernisierung kleiner Turbinen einen stetigen, wenn auch kleinen Beitrag zum Energiemix der Deutschsprachigen Gemeinschaft.
Die DG hat das Potenzial, ein Vorreiter in Sachen grüner Energie zu werden. Windkraft, Solarenergie, Biomasse, Wasserkraft und Geothermie können sich gegenseitig ergänzen und so Schwankungen ausgleichen. Eine solche ausgewogene Mischung könnte langfristig dazu beitragen, die Energieversorgung der Deutschsprachigen Gemeinschaft stabil, nachhaltig und klimafreundlich zu gestalten. Aber auch auf dem eigenen Grundstück, vor allem auf den Dächern oder im Boden, sowie durch einen Beitrag zu einer Kooperative, die Projekte für erneuerbare Energien umsetzt, kann die Energie-wende stattfinden. Sie ist also nicht nur ein politisches Ziel, sondern ein Projekt, an dem sich jeder Bürger beteiligen kann.
Paul Dürnholz und Florian Stoffels – Illustrationsbild: © Timmary/Panthermedia
