20. April 2024
KA St.Vith

Ardennenoffensive jährt sich im Dezember zum 80. Mal – Autor Rainer Palm im Interview

Von Caroline Müsch und Lara-Sophie Palm

Seit Mai 1940 war Belgien durch das deutsche Heer besetzt. In Ostbelgien wurde es teilweise mit offenen Armen empfangen. Ab 1942 zogen die Deutschen alle hier wehrfähigen Männer zum Militär ein. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde der Krieg für unsere Vorfahren bittere Realität. Es gab viele Tote und Verwundete unter den Soldaten, und in der Heimat wurden die Lebensmittel rationiert.

Es kam aber noch schlimmer: Ab dem 16. Dezember 1944 gelang es den deutschen Truppen, die Alliierten an der circa 140 Kilometer langen Front zwischen Rocherath und Echternach zu überraschen. Ziel des Angriffs war es, den Hafen von Antwerpen zu erobern, um eine Ressourcenknappheit bei den Alliierten herbeizuführen. Die Offensive dauerte einige Monate und im Februar 1945 hatten die Deutschen den gesamten eroberten Raum bereits wieder verloren. Aber wie sah es während dieser Monate in Ostbelgien aus? In einem Interview mit dem Ostbelgier Rainer Palm versuchen wir uns Klarheit zu verschaffen. In seinem Wendebuch „Erinnerungen an die Offensive: Neun Leben/Keller & Granaten“ erzählt der 53-Jährige, was Reinhold Palm und Alfred Habsch während und nach der Ardennenoffensive erlebt haben.

Es geht nicht um die militärische Sicht, sondern darum, wie die Leute gelebt haben.

„Das ist eine Sicht, die nicht militärisch ist. Man erfährt nicht, wie die Bewegungen der Truppen waren, warum das Ganze geschehen ist und was man damit beabsichtigt hat, sondern es geht vielmehr darum, wie die Leute gelebt haben und was diese Jungs mit zehn Jahren alles erlebt haben“, betont Rainer Palm.

Sein Onkel Reinhold lebt jetzt in Brüssel, und es war ein Zufall, dass er mit ihm über den 2. Weltkrieg ins Gespräch kam. Er stammt aus Hünningen bei Büllingen, so wie der Autor selbst. Erst einige Jahre später hörte Rainer Palm davon, dass Alfred Habsch aus Honsfeld auch so einiges in dieser Zeit erlebt hatte, und interviewte diesen ebenfalls.

„Insgesamt war die Ardennenoffensive sehr traumatisierend, weil das den Krieg wirklich in die Dörfer gebracht hat. Vorher war es nur ein Durchmarsch von Militäreinheiten gewesen, es wurde nicht wirklich gekämpft, weder beim Einmarsch der Deutschen 1940 noch bei der Rückeroberung durch amerikanische Streitkräfte im September 1944. Aber während der Ardennenoffensive wurde hart in den Dörfern gekämpft und manche Dörfer wurden ganz oder teilweise zu Ruinen“, sagt Rainer Palm.

Durch den Krieg verloren viele Leute in den Dörfern ihr Zuhause und ihr Leben. Sogar nach dem Krieg gab es noch Zivilopfer durch vergessene Minen und Granaten und bis heute werden noch Sprengkörper in manchen Gegenden gefunden. Der Ardennenoffensive heutzutage noch zu gedenken, ist laut Rainer Palm wichtig, da in Filmen und Videospielen Kriegsereignisse oft verherrlicht werden und viele Menschen gar nicht mehr die grausame Realität des Kriegs verstehen, obwohl viele Europäer ähnliche Geschehnisse immer noch durchleben.

„Viele vergessen, dass unsere Bevölkerung hier durch dieses Kriegsgeschehen sehr hart getroffen wurde und dass wir von Glück sagen können, dass wir jetzt seit 80 Jahren nicht mehr direkt mit Krieg konfrontiert sind.“

Obwohl die meisten Leute damals evakuiert worden waren, forderte die Ardennenoffensive viele Opfer: Einerseits kamen Zivilisten ums Leben und andererseits wirkte sich dieser Angriff auf die Psyche der Menschen aus. Auch wenn seitdem schon 80 Jahre vergangen sind, sollten wir dennoch an diese schrecklichen Monate erinnern und den Betroffenen von damals wie auch Kriegsopfern heute Respekt und Anteilnahme entgegenbringen.

„Erinnerungen an die Offensive“ erschien 2019 im Eigenverlag. Es ist erhältlich im VSZ-Museum und im Press-Shop in St.Vith

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