20. April 2024
RSI Eupen

Drogenkonsum: Neinsagen geht

Was verboten ist, zieht uns an, vor allem im Jugendalter. Manche Menschen konsumieren Drogen, um mit Stress umgehen zu können, manche aus Neugier, manche aus Interesse. Der steigende Konsum von Drogen ist ein Problem, das weltweit an Bedeutung gewinnt.

Drogen wie Koks halten wach, steigern die Stimmung und Leistung. Deshalb ist die Nachfrage riesig und sogar Personen in Führungspositionen greifen auf Drogen zurück, um den Arbeitsalltag besser bewältigen zu können.

Cannabis, Ecstasy und Koks gehören zu den meistkonsumierten Drogen weltweit. Im letzten Jahr haben rund 3,5 Millionen Menschen Kokain konsumiert und 276 Millionen Menschen Cannabis. Drogen haben oft einen weiten Weg hinter sich, bevor sie bei den Konsumenten ankommen: vom Anbau in Südamerika über diverse Schmuggelrouten über Afrika und Spanien bis zu den Dealern und Konsumenten. Ein beliebtes Transportmittel ist hierbei das Containerschiff. Das liegt daran, dass Containerschiffe nicht stark kontrolliert werden. Von den 750 Millionen Containern, die jährlich um die Welt reisen, werden weniger als zwei Prozent kontrolliert. So bleibt auch unser kleines Land Belgien am Drogenhandel nicht unbeteiligt. Antwerpen gilt als wichtigster Einfuhrhafen in Europa für das Kokain von lateinamerikanischen Drogenkartellen. Allein im letzten Jahr beschlagnahmten die Behörden im Hafen 116 Tonnen Kokain und andere Drogen.

Der Drogenhandel ist nicht nur ein Problem für die Politik, sondern beeinträchtigt auch das Leben der Konsumenten und ihr soziales Umfeld. Denn je mehr ein Betroffener konsumiert, desto mehr Menschen nehmen Abstand von ihm. Oft kommt dann der Punkt, an dem man gezwungen ist, Hilfe in einer Klinik zu suchen. Über den Drogenkonsum in der Region Aachen berichtet Simon Leskien. Er ist 25 Jahre alt und arbeitet als Fachkrankenpfleger im Alexianer-Krankenhaus in der Psychiatrie auf der Akutstation.

Was ist die häufigste Art von Drogen, mit der du in der Psychiatrie konfrontiert wirst?

Im Bereich der legalen Drogen würde ich auf jeden Fall Alkohol sagen. Bezüglich illegaler Drogen definitiv Cannabis, Amphetamine wie Kokain und Heroin.

Wie wirkt sich der langfristige Drogenkonsum auf die psychische Gesundheit der Patienten aus?

Es gibt mehrere psychische Schäden, die davongetragen werden können. Zum einen leidet das soziale Umfeld darunter, wenn derjenige regelmäßig viel konsumiert. Es gibt Persönlichkeitsveränderungen, wie die Vernachlässigung der Arbeit, aber auch der eigenen Hobbys. Bei Cannabis zum Beispiel ziehen sich die Leute zurück, sie sind sehr in sich gekehrt. Bei Kokain oder Amphetaminen kommt es schonmal zu aggressiven Tendenzen, dann hat natürlich nicht jeder Lust darauf, mit dir abzuhängen.

Wie können Menschen, die drogenabhängig sind, unterstützt werden und wie können sie den Konsum deutlich reduzieren?

Es gibt verschiedene Anlaufstellen. Bei uns im Alexianer können Leute auch unter einer Nummer anrufen, bei der man sich über eine Sprechstunde Hilfe suchen kann. Wenn es natürlich gar nicht geht und die Leute exzessiv konsumieren, können sie auch direkt in der Akutstation vorstellig werden und bei unserem Chefarzt ihre Probleme äußern. Wenn die Fälle so dringlich sind, dass es gar nicht mehr geht, werden die Betroffenen natürlich auch bei uns aufgenommen. Es gibt auch Selbsthilfegruppen und Anlaufstellen in der Stadt, wenn die Menschen aufgrund des Drogenkonsums obdachlos sind oder sich selbst nicht mehr zu helfen wissen.

Wie wird die Behandlung in der Psychiatrie durchgeführt?

Auf meiner Station, auf der Akutstation, kommen die Leute in einem sehr akuten Fall zu uns. Wir fangen die Leute erstmal auf und gucken, dass sie einen Platz haben, wo Ruhe geschaffen wird, damit sie wieder zu sich kommen. Die Menschen bekommen dann meistens Medikamente, die den Entzug beschleunigen. Es gibt aber auch, im Falle von Cannabis, therapeutische Maßnahmen, die unternommen werden können.

Wie geht man damit um, wenn Patienten während ihrem Klinikaufenthalt erneut Drogen konsumieren?

Drogenkonsum innerhalb der Station ist eigentlich mit einem direkten Rauswurf verbunden. Die Behandlungen werden abgebrochen und die Person wird erstmal gestrichen. Natürlich können sie wieder zu uns kommen, wenn sie gefährdet sind, aber der Aufenthalt ist im Regelfall beendet.

Wie hoch ist bei euch die Selbstmordrate?

Letztes Jahr hatten wir drei Suizide. Suizidversuche haben wir alle paar Wochen, aber dass es wirklich zum Suizid kommt, ist eher selten. Es gibt schwerwiegende Suizidversuche, wie Strangulationsversuche, Versuche, sich die Pulsader aufzuschneiden oder aus dem Fenster zu springen. Es gibt aber auch Versuche, die krankheitsbedingt sind, beispielsweise bei Patienten mit Aufmerksamkeitsstörung. Bei ihnen gilt oft das Ritzen als Suizidversuch.

Wie kann man sich am besten vor Drogen schützen?

Das soziale Umfeld ist wichtig. Wenn du mehrere Leute hast, die in deinem Umfeld konsumieren, ist die Wahrscheinlichkeit, dass du konsumierst, auch hoch. Wenn man stark genug ist, sollte man probieren, das soziale Umfeld zu wechseln. Man sollte neben seinem Beruf möglichst viele Freizeitaktivitäten haben, sei es Sport oder Hobbys, die man ausübt. Woran es auch oft scheitert, ist der Selbstwert, gerade wenn es ums Thema „Neinsagen“ geht. Bei Gruppenzwang ist es beispielsweise schwierig, „Nein“ zu sagen, deshalb sollte man seinen Selbstwert erhöhen. Stress ist auch immer ein Faktor, der Leute zum Konsum anregt, daher ist es superwichtig, den Stress zu minimieren, indem man seinen Lieblingsaktivitäten nachgeht oder sich mal eine Auszeit nimmt.

Illustrationsbild: DPA

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