25. Februar 2024
Allgemein

Ein Tag im Gericht – zwischen Anspannung und Emotion


Die beiden Reporterinnen Timea Heinzl (links) und Svea Berges haben das Gericht in Eupen besucht und ihre Erfahrungen aufgeschrieben. Foto: Nathalie Thielen

Wie verläuft der Alltag vor Gericht? Was wird dort überhaupt verhandelt? Wir wollten es genauer wissen und haben das Justizgebäude in Eupen besucht.

Von Timea Heinzl und Svea Berges

8. März 2023: Um 8.50 Uhr stehen wir vor dem Justizgebäude. Als wir es betreten, werden wir sehr freundlich in Empfang genommen und in den Saal gebracht, in dem wir die nächsten drei Stunden verbringen sollen. Anspannung liegt in der Luft. Und das, obwohl die Verhandlung noch nicht mal angefangen hat. Auch wir sind angespannt. Aber nicht, weil die Menschen böse und einschüchternd sind, sondern weil wir noch nie in einem Gerichtsaal waren, geschweige denn einer Verhandlung beigewohnt haben. Mit etwas Verspätung beginnt die Verhandlung. Der Richter urteilt einige Fälle ab, bei denen die Angeklagten noch nicht mal anwesend sind. Der erste Fall dreht sich um die Fälschung eines Führerscheins. Diese wurde wissentlich benutzt und sogar bei einer Polizeikontrolle vorgelegt. Das angeforderte Bußgeld von 500 Euro wurde nicht bezahlt. Der Mann gab an, die Aufforderung dazu nie bekommen zu haben. Weil er bereits wegen Fälschung vorbestraft war, wurde er zu entweder drei Monaten Gefängnis und 800 Euro Strafe oder 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit und 800 Euro verurteilt. Das Urteil wird am 17. April verkündet.

Weiter ging es mit einigen Verstößen gegen die damals geltenden Corona-Maßnahmen. Die Täter haben sich nicht an diese gehalten, haben sich zu spät draußen aufgehalten oder die maximale Personenanzahl überschritten. Auch hier werden die Urteile am 17. April verkündet.

Der Richter kündigte nach diesen Verhandlungen eine Pause bis 10 Uhr an. Wir beide überlegten gerade, was wir mit unserer Zeit anfangen sollten, als der Richter uns zu sich rief. Wir wussten nicht, was er von uns wollte. Mit zitternden Knien gingen wir nach vorne. Doch er wollte uns nur fragen, ob wir alles verstehen und ob wir Fragen haben. Als wir wieder in unserer Reihe saßen, hörten wir ein lautes Weinen und verzweifeltes Schreien aus dem Flur. Wir waren beide geschockt. Nach der Pause wechselte der Richter. Auch hier wurde nach gut 1,5 Stunden eine Pause einberufen. Und wer hätte es gedacht, wir wurden wieder nach vorne gerufen. Ähnlich aufgeregt wie beim ersten Mal gingen wir nach vorne ans Richterpult. Wer wusste schon, was uns erwartet? Doch zu unserer Überraschung durften wir hinter das Richterpult treten und wurden dann in den Raum geführt, in dem die Richter ihre Entscheidungen besprechen und treffen. Dort hatten wir die Möglichkeit, dem Gericht und der Staatsanwaltschaft alle unsere Fragen zu stellen. Diese drehten sich besonders um die Neutralität der Richter und wie schwierig es ist, einen kühlen Kopf zu bewahren. Freundlich und zuvorkommend und mit viel Geduld wurden alle Fragen beantwortet. Nach der kurzen Rundführung nahmen wir wieder unsere Plätze ein. Der Richter, der die ersten Verhandlungen geleitet hat, kam wieder zurück. Nachdem auch die letzte Verhandlung geschlossen war, duften wir ein sehr detailliertes Interview mit ihm führen (siehe Artikel oben). Wir nahmen also an einem Tisch im Gerichtsgebäude, an dem es eigentlich recht ruhig sein sollte, Platz und begannen mit dem Interview. Plötzlich flog die Tür der Verhandlungskammer auf und lautes Geschrei und Weinen ertönte. Für uns beide ein Schock, für den Richter dagegen normal. Er machte seelenruhig weiter. Wir haben uns auch nicht weiter ablenken lassen, aber es hat uns klar gezeigt, wie viele Emotionen hier eine Rolle spielen. Nach diesem Gespräch durften wir uns noch mit dem Gerichtsschreiber unterhalten, der uns seine Aufgaben grob erklärt hat. Und dann war unser kurzer, aber extrem interessanter Tag im Eupener Gerichtsgebäude wieder vorbei.

Eine Sache, die wir definitiv gelernt haben, ist, dass das Gericht, die Richter und die Staatsanwälte keine angsteinflößenden Menschen sind. Sie alle haben unsere Fragerei ausgehalten, jede Frage so ausführlich wie möglich beantwortet und waren sehr zuvorkommend. Der Richter hat uns erklärt, dass vor Gericht jeder ein Mensch ist und unabhängig von seiner Tat gleichbehandelt werde. Das waren mit die schönsten Worte, die wir je gehört haben. Natürlich möchten wir keinen motivieren, vor Gericht zu landen. Aber wir möchten die Vorurteile aus dem Weg räumen. Was wir im Gericht gesehen und gelernt haben, war spannender als jede Kriminalserie. Es ist eine Erfahrung, die uns keiner mehr nehmen kann und wird.

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