30. Mai 2024
BS-TI Sankt Vith (2023)

Politische Bildung bei Jugendlichen: Dumm, dümmer, Erstwähler?

Bei der Menge an Informationen kann man den Überblick verlieren. Als Zauberwort wird da immer wieder die politische Bildung ins Spiel gebracht. Was genau steckt dahinter und wo sollte politische Bildung stattfinden?

Politische Bildung bei Jugendlichen: Dumm, dümmer, Erstwähler? – Lina Neuens
Politische Bildung bei Jugendlichen: Dumm, dümmer, Erstwähler? – Marie Plattes

Politik kann ganz schön komplex sein. Eine Umfrage unter Mitschülern hat ergeben, dass es mehr als drei Viertel der Schüler überfordert, zum ersten Mal wählen zu gehen. Doch eigentlich wäre es gut, wenn wir besser Bescheid wüssten. Denn Politik betrifft uns jeden Tag.

„Politik ist nicht nur das, was in Parlamenten stattfindet. Politik ist auch nicht nur Wählen. Sondern Politik ist extrem breit. Politik findet jeden Tag statt. Wenn Schüler morgens schon mit dem Bus zur Schule fahren, ist das im Grunde schon Politik. Warum? Warum sind denn die Busse überfüllt? Das sind letzten Endes politische Fragen“, sagt Norbert Nicoll. Er unterrichtet Geschichte und Geografie an der Bischöflichen Schule.

Doch wie kann es sein, dass wir so schlecht informiert sind, obwohl Politik uns täglich betrifft? Bei vielen fehlt einfach das Interesse. Als Jugendlicher hat man auch andere Dinge im Kopf. Hinzu kommt: Die Inhalte sind kompliziert formuliert und nicht immer spannend.

Problem der gesamten Gesellschaft

Und es gibt noch einen weiteren Grund. „Belgien ist sehr kompliziert. Belgien hat einen enorm komplizierten Staatsaufbau. Und da ist man natürlich sehr schnell überfordert. Da sind auch viele Erwachsene überfordert und verstehen nicht, wer ist für was verantwortlich“, so der Lehrer.

Das Problem betrifft also nicht nur Jugendliche, sondern die ganze Gesellschaft. Doch wo sollte das Problem gelöst werden? ‚In der Schule‘, würden wohl die meisten sagen. So denken auch die Mitschüler, die wir befragt haben. Die meisten wünschen sich sogar mehr politische Bildung in der Schule.

Auch Janina Pauels, Lehrerin an der BS, fände es gut, Politik mehr in den Unterricht einzubringen: „Das hängt bei uns auch immer mit der Zeit zusammen, weil wir einen vollgepackten Rahmenplan haben. Aber der Aufbau der Demokratie, des Staates, der sozialen Sicherheit wäre vielleicht gar nicht schlecht, wenn das mit ins Programm aufgenommen werden könnte.“

Unterricht

Aktuell wird politische Bildung in den Schulen fächerübergreifend vermittelt. Politische Themen kommen immer mal wieder in Unterrichten wie Geschichte, Geografie, Deutsch oder Französisch vor. Mal öfters, mal weniger oft – das hängt am Ende auch vom Lehrer ab. Und trotzdem: es kann nicht alles in der Schule vermittelt werden.

„Ich finde es nicht gerecht, immer der Schule alles aufzudrücken und zu sagen ‚Die Schule muss das übernehmen, die muss mich informieren‘, sondern wenn ich 18 werde und wählen möchte, dann bin ich auch selbst für mich verantwortlich und meine politische Bildung“, so die Meinung von Janina Pauels.

„Also ich kann nur jedem raten: informiert euch! Fragt euch selbst, welche Ideale und Werte ihr vertreten möchtet. Und welche Programme und welche Parteien dazu passen“, so Pauels weiter.

Außerschulische Angebote

Die Informationen dazu findet man im Netz. Parallel gibt es außerschulische Angebote wie Jugendparlamente, Jugendräte oder Artikel und Berichte. Auch kann man Politiker, gerade bei uns, einfach mal anschreiben und nachfragen.

Doch auch hier gibt es Verbesserungspotential. Politische Informationen sind oft schwer zu verstehen, Reden von Politkern oft sperrig. Vielleicht sollte sich also auch die Politik in Frage stellen.

„Darüber hinaus, glaube ich, ist es notwendig, dass man eine einfache und eine klare Sprache einbringt. Für Jugendliche ist ganz, ganz wichtig, dass die Dinge anschaulich sind und verständlich sind. Und da ist bestimmt noch einiges zu tun“, so Norbert Nicoll.

Damit eine Gesellschaft funktioniert, braucht es informierte Bürger. Politische Bildung spielt dabei eine grundlegende Rolle. Es ist aber nicht nur die Aufgabe der Schule, die zu vermitteln. Jeder muss sich einbringen: Jugendliche, aber auch Erwachsene, die Schule, aber auch die Politik. Am Ende sind wir also alle gefragt.

Lina Neuens und Marie Plattes – Bild: Eric Lalmand/Belga

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