20. April 2024
KA St.Vith

Südkoreas Schulsystem gehört zu den besten der Welt, aber zu welchem Preis?

Von Nora Hosch und Cara Jacobs

Das ostbelgische Schulsystem kennt jeder. Im Durchschnitt klingelt der Wecker bei ostbelgischen Sekundarschülern zwischen halb sieben und sieben Uhr, um pünktlich zum Unterricht zu erscheinen. Ein Schultag besteht in der Regel aus 8 Unterrichtsstunden, die etwa 50 Minuten dauern und von einer Vormittagspause und einer Mittagspause unterbrochen werden. Um 16 Uhr ist Schulschluss und die Schüler gehen nach Hause, um Hausaufgaben zu machen, sich für den nächsten Test vorzubereiten oder einem Hobby nachzugehen. Aber wie sieht es denn in Südkorea aus?

Der Unterrichtsablauf in Südkorea ähnelt dem in Ostbelgien, jedoch gibt es beim genauen Hinsehen bedeutende Unterschiede.

Der Unterrichtsablauf in Südkorea ähnelt dem in Ostbelgien, jedoch gibt es beim genauen Hinsehen bedeutende Unterschiede. Nach Schulschluss um 17 Uhr gehen 80 Prozent der südkoreanischen Schüler in ein sogenanntes „Hagwon“, bei dem es sich um ein Nachhilfeinstitut handelt. In einer kleineren Gruppe von ungefähr zehn Schülern wiederholen und vertiefen sie mit dem Lehrer den bereits gelernten Stoff. Die Aufgabe dieser Nachhilfeinstitute ist es, die Schüler so gut wie möglich auf die „Suneung“, die Abschlussprüfung der Sekundarschule, vorzubereiten.

Denn die meisten Schüler haben das Ziel, an einer der SKY-Universitäten angenommen zu werden. Dabei handelt es sich um die drei besten Universitäten Südkoreas: die Seoul National University, die Yonsei University und die Korea University. Welche Universität man besucht, ist für die Karriere oft wichtiger als der erreichte Abschluss. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Schüler in der Regel zu den besten 1% der Absolventen des Suneung gehören.

Enormer Leistungsdruck und harter Konkurrenzkampf unter den Schülern

Dies führt zu einem enormen Leistungsdruck und einem harten Konkurrenzkampf unter den Schülern. Außerdem sind die Nachhilfeinstitute sehr teuer und die Kosten für die Eltern werden auf etwa 1,5 Mio. Won pro Kind und Monat geschätzt, was ungefähr 1000 Euro entspricht. Obwohl es gesetzlich verboten ist, kann es vorkommen, dass Nachhilfelehrer den Schülern Lerninhalte der höheren Klassen beibringen, um ihnen einen Vorteil zu verschaffen. In Südkorea ist der Schulalltag sehr zeitaufwendig, denn die Jugendlichen lernen im Durchschnitt 12 bis 16 Stunden pro Tag. Obwohl die „Hagwons“ offiziell bis 22 Uhr geöffnet haben, bleiben viele Schüler noch länger, oftmals bis nach Mitternacht. Danach lernen einige sogar noch zu Hause weiter. Sie sind also mehr als die Hälfte des Tages mit dem Lernen beschäftigt, sodass ihnen oft nur etwa 5,5 Stunden Schlaf bleiben.

Von Freizeitbeschäftigungen ist absolut keine Rede, nur in den „Hagwons“ haben sie die Gelegenheit an Angeboten wie Tanzen, Schreiben, Malen oder Rhetorik teilzunehmen. Diese dienen aber nur dazu, die Bewerbung um einen Studienplatz positiv zu beeinflussen.

Zahlreiche Fälle von psychischer und physischer Gewalt an Schulen in Südkorea

Ferner gibt es in Südkorea zahlreiche Fälle von psychischer und physischer Gewalt an Schulen. Im Jahr 2022 gab es 15.652 bekannte Fälle. Das alles hat gravierende Folgen. Fast jeder dritte Jugendliche in einer südkoreanischen Abschlussklasse ist depressiv, mehr als jeder zehnte hat sogar Selbstmordgedanken. Laut der aktuellen OECD-Studie hat Südkorea mit 24,1 Prozent die höchste Selbstmordrate der Welt. All die oben erwähnten Fakten stellen das südkoreanische Schulsystem in Frage.

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