20. April 2024
RSI Eupen

Russisch Roulette der neusten Zeit: Gefährliche Trends auf TikTok

Erneut sind Eltern in höchster Alarmbereitschaft, denn es ist bei neuen Online-Mutproben auf TikTok wieder zu Unfällen mit Todesfolge gekommen. Nachdem die sogenannte „Blackout-Challenge“, bei der man so lange gewürgt wurde, bis man in Ohnmacht fiel, auf TikTok Erfolg hatte, sind aktuell Challenges wie die „Hot Chip“ und die „Deo-Challenge“ angesagt. Auf welches Risiko die Kinder und Jugendlichen sich bei solchen Challenges einlassen, ist ihnen meist nicht bewusst.

Hot Chip Challenge

Vor 10 Jahren waren noch harmlose Mutproben beliebt, meistens mit einem tiefgründigen Hintergrund, um zum Beispiel über Krankheiten aufzuklären oder Spendengelder zu sammeln. Heutzutage sind jedoch weitaus gefährlichere Challenges beliebt, wie die „Hot Chip Challenge“. Das Konzept ist so unscheinbar wie simpel: Einen sehr stark gewürzten Tortilla-Chip essen, sich dabei filmen und das entstandene Video hochladen. Was sich anfangs wenig spektakulär anhört, hatte bereits für viele Jugendliche einen Aufenthalt im Krankenhaus zur Folge. Ein 14-Jähriger aus Massachusetts musste dafür sogar mit seinem Leben bezahlen.

Laut dem Hersteller des „Hot Chip“ seien sie die schärfsten Chips auf der Welt, denn sie sind mit Carolina Reaper Chili gewürzt, dem schärfsten Chili weltweit. Der Schärfegrad wird in Scoville gemessen. Während eine gewöhnliche Gemüsepaprika einen Wert von 10 und Tabasco-Soße ungefähr 2500 hat, wird der Chip mit 1,8 bis 2,2 Millionen Scoville bemessen. Jugendliche, die einen dieser Chips gegessen haben, berichten im besten Fall „nur“ von Haut- und Atemwegsreizungen sowie Kreislaufproblemen.

Deo-Challenge

Bei dieser Mutprobe sprühen sich Jugendliche Deospray auf eine Hautstelle oder atmen dessen Dampf ein. Egal welche Variante man ausprobiert, beide sind gesundheitsschädlich und können sogar tödlich enden.

Bei ersterer kann die betroffene Stelle binnen weniger Sekunden rapide auf bis zu minus 30 Grad heruntergekühlt werden. Die Folgen hierbei sind Schmerzen und enorme Hautschädigungen, bis hin zum Absterben der Hautstelle. Das Wasser in den Hautzellen gefriert. Die daraus resultierenden Eiskristalle verhindern die strukturelle Veränderung der Proteine, wodurch diese ihre Funktion nicht erfüllen können und die Schmerzrezeptoren in der Haut nicht mehr korrekt arbeiten. Da der Körper kein Schmerzsignal an das Gehirn senden kann, wird heiter weitergesprüht, während die Haut bereits beschädigt ist.

Im Falle des Einatmens inhalieren die Teilnehmer Aerosole des Deosprays. Dem Bundesinstitut für Risikobewertung zufolge führe dies „unmittelbar zu Bewusstseinsverlust, Herzversagen und Atemlähmung“. Im Extremfall führt man irreparable Gehirnschäden herbei oder die Prozedur endet tödlich, wie im Sommer 2023, als ein 17-Jähriger in Schleswig-Holstein an den Folgen der Deo-Challenge verstarb.

Ratlosigkeit unter Eltern

In beiden Fällen warnt das BfG vor dem Ausführen solcher Mutproben. Viele Eltern wissen nicht, wie sie den Umgang mit Sozialen Medien sicherer für ihre Kinder gestalten können, weshalb sie Prävention schaffen wollen. Für Jugendliche im Alter von 13 bis 16 gilt tendenziell eine Privatisierung des eigenen Accounts. Eltern können diese Maßnahme bei ihnen regelmäßig überprüfen. Dadurch können gepostete Inhalte ausschließlich von Personen angesehen werden, die eine Zugangsberechtigung zum Abonnieren des Kontos haben. Es gibt zudem eine Filterfunktion für Kommentare. Um einen Kommentar öffentlich zu posten, muss dieser erst von dem Nutzer genehmigt werden. Dadurch werden erste Berührungen zur Hassrede oder einer versuchten Bloßstellung der eigenen Person im Internet verhindert.  

Was tun? Im Allgemeinen geben der Apple Store und der Google Play Store für TikTok eine Altersfreigabe von 12 Jahren an, allerdings ist die App vielmehr für Jugendliche ab 14 Jahren geeignet. In dem Alter seien sie sich der Konsequenzen der im Internet verbreitenden Daten im Klaren und könnten Risiken besser einschätzen und bewerten. Zumindest ist das der Gedanke des Betreibers, denn ob dies der Praxis entspricht, bleibt fraglich. In jedem Fall sollten Eltern laut Experten und Medienforschern im Vorfeld mit ihren Kindern über den Umgang mit Sozialen Medien sprechen und ihnen die bedenklichen Gefahren aufzeigen, um sie angemessen zu schützen.

Luca Schifflers – Bild: Photonews

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