20. April 2024
BIB Büllingen (2023)

Loredana Humartus: “Für mich stehen Freunde und Familie immer vor dem Fußball”

Die 19-jährige Loredana Humartus spielt mittlerweile seit zehn Jahren bei Standard Lüttich und seit drei Jahren in der ersten Mannschaft dort. In der Nationalmannschaft spielt sie seit dieser Saison in der U23. Sie ist schon sehr erfolgreich trotz ihres jungen Alters, doch das Wichtigste ist für sie, bodenständig zu bleiben und den Sport nicht vor ihren Freunden und Familie zu stellen. Wir haben für euch nachgehakt, um einen Einblick in den Alltag einer Halbprofi-Fußballerin zu bekommen.

Wie sahen deine ersten Schritte als Fußballerin aus und war es schon immer dein Traum?

Nein, es war nicht immer mein Traum. Ich wusste früher eigentlich nie richtig, was Fußball ist. Meine ersten Schritte im Fußball waren im Alter von fünf Jahren. Es gab immer verschiedene Jahrgänge, die in der Grundschule auf dem Fußballplatz spielen durften, worunter auch ein Tag für die Mädchen war. Irgendwann wurde ich gefragt, ob ich mitspielen wollte, da sie zu wenig Mädchen waren. Ich habe dann einfach mal mitgespielt zum Ausprobieren.

Ich wollte dann direkt damit anfangen, da es mir sehr viel Spaß gemacht hat. Ich durfte jedoch erst später beginnen, da meine Mutter den Fußball eher als Jungensport ansah. Circa ein Jahr darauf habe ich in Weywertz dann angefangen zu spielen mit den Jungen.

Wie sieht dein Trainingsalltag aus?

Ich trainiere fünfmal die Woche im Standard und dazu findet dann noch ein Spiel pro Woche statt. Das Training ist immer von 19 bis 21 Uhr. Wir müssen 30 Minuten vor Trainingsbeginn in Lüttich sein.

Angefangen wird das Training mit einer Aufwärmung, die davon abhängt, ob wir Lauf- oder Muskeltraining haben. Danach passieren verschieden Einheiten, also kleine Spiele. Ich bin somit oft sehr spät zu Hause und habe nicht viel Freizeit während der Woche.

Ab nächstes Jahr sollen wir dann morgens trainieren und noch ein zusätzliches Training haben. Da muss ich noch schauen, wie das mit der Schule geregelt wird.

Was war bisher dein größtes Erfolgserlebnis und was könnte ein neues werden?

Auf jeden Fall das Unterschreiben des Vertrags bei Standard Lüttich und das Pokalfinale im Stadion. Aber ich glaube mein größtes Erlebnis werde ich im Sommer erleben mit der Europameisterschaft und dem Finale bei Standard. Ich glaube, dort werden viele Zuschauer sein.

Gibt es Regeln, die du im Alltag vom Fußballverein aus befolgen musst?

Ja, da gibt es schon einige. Wir haben beispielsweise eine Ernährungsberaterin, die uns einen Ernährungsplan erstellt, an den wir uns halten müssen. Zusätzlich darf ich nicht alles ins Internet setzen, dazu gehören Bilder mit Alkohol.

Unser Verein hat einen Vertrag mit Adidas und deshalb dürfen wir bei den Trainings und Spielen keine anderen Marken tragen. Im Vertrag steht ebenfalls, dass ich neben dem Fußball noch eine andere Aktivität im Leben machen muss, da ich kein Vollprofi, sondern Halbprofi bin. Ich muss entweder arbeiten oder zur Schule gehen.

Bleibt noch Zeit für Freizeit bei fünf Trainings pro Woche?

In der Woche bleibt da eigentlich kaum Zeit für irgendwas anderes und ich bin froh, wenn ich mal einen Tag frei hab, aber am Wochenende hängt es von den Spielen ab. Wenn ich ein Samstagsspiel habe, kann ich dann abends rausgehen und sonntags habe ich dann frei.

Hast du ein gutes Verhältnis zu deinem Team?

Ja, also anfangs nicht, weil ich ja auch kaum Französisch sprechen konnte, aber jetzt auf jeden Fall. Wenn die Wallonen dich einmal akzeptiert haben, ich glaube, dann bist du auch in der Gruppe drin und ich meine, ich sehe sie ja auch sechsmal die Woche, wäre schon schlimm, wenn man da ein schlechtes Verhältnis hätte.

Musst du viel reisen für die Spiele?

Für Standard nicht, aber für die Nationalmannschaft kommt es schonmal vor. Meine längste Reise war jetzt nach Russland, auch schonmal Spanien und England.

Welche Ziele verfolgst du?

Ehrlich gesagt habe ich noch keine Ahnung, mal sehen, wie sich das auch jetzt macht mit der Schule, denn es kann ja immer sein, dass ich mich verletzte oder kein Spaß mehr am Fußball habe. Da muss man natürlich auch was Anderes in der Hand haben als nur den Fußball.

Habt ihr öfters Gesundheitschecks, die ihr durchführen müsst?

Ja, am Anfang der Saison und im Januar haben wir eine Blutabnahme, die wir immer machen müssen, um zu schauen, ob unsere Blutwerte gut sind. Dann haben wir auch Termine beim Kardiologen, um zu schauen, ob unser Herz gut schlägt und ob dort Probleme sind und dann haben wir eine Ernährungsberaterin, die gibt uns einen Ernährungsplan. Wir dürfen nicht zunehmen.

Wie fühlt es sich an, oft angesprochen und erkannt zu werden?

Also vor zwei Jahren war es noch weniger, aber jetzt merkt man schon – dadurch, dass man auch mal öfter in der Zeitung stand – dass manche sagen: „Oh, die Fußballerin“. Also ist auf jeden Fall sehr sehr witzig und es macht mich dann auch immer stolz.

Das Wichtigste ist für mich, bodenständig zu bleiben und dass meine Freunde und Familie immer an erster Stelle stehen, trotz des Fußballs.

Lucy Koch und Célia Jansen

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