2. Dezember 2023
BS-TI Sankt Vith

Generation Z: Sind Jugendliche wirklich so faul?

Unbegründete Vorurteile gegenüber Jugendlichen in Sachen Faulheit

Die Jugend von heute ist faul und verwöhnt. Das ist der Eindruck vieler Menschen der älteren Generation. Faulheit wird häufig mit der Generation Z assoziiert. Aber ist das wirklich so? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, wurden Ewald Zanzen aus Deidenberg, der sein Abitur 1966 am BSTI gemacht hat, und die aktuellen Abiturienten Pia Leufgen und Aaron Thome befragt.

„Jeder musste morgens sechs Kühe melken“, berichtet Ewald Zanzen, der vor und nach der Schule im Stall arbeiten musste. „Dazu kamen dann noch Hobbys und Schule, welche oft zu kurz kamen. Ich wurde nicht gefragt, ob ich es gerne mache oder nicht, ich musste einfach“, berichtet er, was zeigt, dass die Arbeit bei ihm zu Hause immer Priorität hatte. Heutzutage arbeiten Jugendliche zwar nicht mehr vor der Schule, aber dafür gehen sie am Wochenende arbeiten, wie Pia Leufgen erzählt: „Ich gehe jedes Wochenende mindestens einmal kellnern, was schon stressig sein und lange Arbeitszeiten mit sich bringen kann“.

Wenn Pia mal nicht arbeiten muss, hilft sie ihrer Mutter im Haushalt: „Mein Bruder und ich müssen unserer Mutter auch im Haushalt unter die Arme greifen, wie beim Tischdecken und Staubsaugen“. Auch Aaron Thome verdient Geld am Wochenende: „Ich gehe unter anderem arbeiten, um mir verschiedene Dinge, wie den Führerschein oder mein Hobby, das Auflegen als DJ, zu finanzieren und Erfahrungen zu sammeln.“

Pia Leufgen (17) – Bild: Clara Piep

Die heutige Generation Z ist also keineswegs so faul wie gedacht und möchte finanziell teilweise auf eigenen Füßen stehen. Außerdem ermöglichen Ferienjobs Jugendlichen einen Einblick in die Arbeitswelt. „Fridays for Future“! Hunderte Jugendliche gehen für den Klimawandel auf die Straße, schwänzen dafür regelmäßig die Schule und machen sich einen schönen Tag in Brüssel. So wenigstens sehen es viele. Dabei machen sie sich Sorgen um die Zukunft und wollen sich für das Klima einsetzten.

„Ich würde sagen, dass der Klimawandel eine große Rolle in unserem Leben spielt, weil wir auch das Gefühl haben, dass es von uns abhängt, ob die Erde noch eine Zukunft hat oder nicht“, sagt Pia Leufgen. Den verpassten Tag in der Schule müssen die Schüler jedoch in Eigenregie nachholen, wie Pia bestätigt: „Wenn wir abwesend sind, müssen wir den verpassten Unterricht nacharbeiten, was nicht wenig Arbeit mit sich bringt“.

Die Generation Z muss sich demnach mit anderen Problemen, wie Zukunftsängsten, auseinandersetzen. Oftmals wird den Jugendlichen vorgeworfen, zu viel Zeit mit elektronischen Geräten zu vergeuden und nichts Sinnvolles im Leben zu tun. „Sie zocken die halbe Nacht, sie posten auf Facebook und Instagram und chatten über unwichtige Dinge. Im Unterricht schlafen sie dann oft ein und sind unfähig, sich zu konzentrieren und Verantwortung zu übernehmen. Die schulischen Leistungen leiden oftmals darunter“, lautet die Ansicht mancher Erwachsener. Dabei kann die Deutschlehrerin, Annette Pitz, bestätigen, dass sich die Jugend in schulischer Sicht eindeutig positiv entwickelt hat. „Fähigkeiten wie mündlicher Ausdruck, Kommunikationsfähigkeit, Eigenständigkeit und Selbstverantwortung haben sich deutlich verbessert. Gruppenarbeiten erfordern Absprachen unter den Schülern, eigenverantwortliches Handeln und eine gute Organisation. Diese finden in der Klasse statt und wir erzielen oft großartige und beeindruckende Resultate.“ Klar ist: Früher waren die Umstände anders als heute. Die wenigsten Jugendlichen sind heute dazu verpflichtet, im Stall zu arbeiten oder im Haushalt zu helfen. Ist es aber gerecht, daraus zu schlussfolgern, dass die Jugendlichen heutzutage faul sind?

Zweifellos gibt es Jugendliche, die weder arbeiten noch Hobbys haben. Dabei ist aber zu beachten, dass es dies immer gegeben hat. Man sollte dieses Bild demnach nicht verallgemeinern. Die heutige Generation Z schaut hin, sagt ihre Meinung, auch wenn sie nicht immer gefragt ist. Die Jugendlichen nehmen nicht alles hin, wollen Dinge verändern und verbessern, sorgen sich um ihre Zukunft, wollen eigenständig sein und entwickeln Eigenverantwortung sowie Kommunikationsfähigkeit, um ihren Anliegen eine Stimme zu geben. Die Generation Z ist in vieler Hinsicht alles andere als faul.

Von Clara Piep

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